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Zauberkönig

Abrakadabra – Simsalabim – 3 x schwarzer Kater – Hex-hex! So schrieb es sich mein Sohn auf einen großen weißen Zettel, faltete ihn ordentlich vier mal mittig, um ihn dann in die rechte Smokinghosentasche zu stecken. “Sicher ist sicher!“ murmelte er vor sich hin, schwang den von mir genähten Zaubererumhang mit Flammenseidenfutter um sich, richtete seinen Minizaubererzylinder auf dem Kopf und steckte den Zauberstab in die Reverstasche, so dass er noch etwa bis zur Hälfte über seiner stolzen Magierbrust hervorblitze: bereit für den Kinderfasching in der Schule!

Hier bei uns tobt schon seit einiger Zeit der Magierzauber. Emil lässt Eiswürfel schweben, Rio schafft es aus einer winzigen Karaffe endlos Wasser fließen zu lassen und Milla kann eine kleine Matroschka durch Anpusten zum Schlafen bringen.
Angefangen hat die Zauberei im Hause Potocki ein paar Monate zuvor, als ich den mich schon so häufig anlächelnden kleinen Laden an der Neuköllner Hermannstraße auf der Suche nach dem perfekten Zauberkasten für meine angehende Magierbande betrat.

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Zauberkönig Traditionsgeschäft seit 1884“ steht in geschwungenen gelben Vintage-Buchstaben auf dem braunem Grund des großen Reklameleuchtkastens am kurios anmutenden Flachdachladenhäuschen. Im Inneren erwartete mich, als hätte ich es geahnt, eine magische Schatztruhe und Wunderkammer der Zauberei mit Ofenheizung-Kuschelfaktor – ein kleines Paralleluniversum im Berliner Großstadtdschungel. Beinahe antik und zauberhaft geflickt überfällt der Charme der kleinen Zauberkönig-Hütte dich wie ein lila Kraken mit acht Armen und hält dich in den Saugnapf-Fängen, bis du mit gefüllten Taschen voller Dingen, derer Existenz du dir nicht bewusst warst, wieder ins stinknormale Neuköllner Leben entlassen wirst. Zauberei? Wohl eher das sehr feine Gespür für subtil-skurrile Produkte der beiden Besitzerinnen!

An Decken, Wänden sowie unter und hinter der Theke verbergen sich allerhand Zaubereien für Zauberlehrlinge und Profis, aber aber auch für die multikulturelle Laufkundschaft. Angeboten werden Scherzartikel, Kostüme, Kartenspiele, Spielzeuge, Masken und professionelle Zaubereiausstattung, die von den beiden Besitzerinnen Karen und Kersi mit solch sorgsamer Selbstverständlichkeit über die Theke gereicht und vorgeführt werden, dass ein Besuch bei gefüllter Zauberkönigbude eine Kinokomödie ersetzt, wenn man in der Schlange steht und den den beiden im Gespräch mit ihren Kunden lauscht. Fingeraugen, Hui-Hui Lippen, Stinkbomben, Niespulver, Pyrowatte, Kackhaufenimitate, abgetrennte Finger, Vogelpfeifen, Knoblauchbonbons, aber eben auch Zauberstäbe in allen Variationen und magische Kräfte werden angeboten. Hogwarts meets Disneyland mit kostenloser Dauergrinsgarantie.

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Vor 132 Jahren, als der Zauberkönig, damals noch an anderer Stelle, seinen Vorhang hob, war es die Hochzeit von Artisten und Zauberkünstlern, die auf Varietébühnen und in Theatern in der ganzen Stadt zur Abendunterhaltung beitrugen. Aber auch im eigenen Zuhause gehörte das Do It Yourself Unplugged Unterhaltungsprogramm zum Alltag und zu einem guten Abend mit Freunden und Familie bei Schummer-Kerzenlicht, bis Radio und Fernsehen, später Computer und Smartphone, der Fähigkeit und Liebe zur Selbstunterhaltung die Fahrt aus den Segeln nahm.

Der Zauberkönig wechselte nicht nur seine Besitzer immer wieder, sondern auch seinen Standort. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Flachdachbau am Rande des Neuköllner Jerusalem-Friedhofs errichtet und in den 70er Jahren von Karens Großvater Günter übernommen, der ihn wiederum 20 Jahre später an seine Tochter Mona übergab. Vor drei Jahren haben Karen Goetzke und Kirsi Hinze den Laden von ihrer Tante übernommen und damit einen Sprung in unbekannte Gewässer gewagt. Die Leidenschaft für die Zauberei wuchs bei ihnen durch ihre Liebe für Familientradition und die Geschichten rund um den Zauberkönig. Und für die nächsten möglichen Glieder in der Kette der Zauberkönige haben die beiden jüngen Mütter auch schon gesorgt!

Meine kleinen Zauberer hier zu Hause üben gerade, einen weißen (Oster-)Hasen aus ihrem Zylinder hüpfen zu lassen. Wie’s klappt, müssen sie selber herausfinden, denn die magischen Tricks rund um die Zauberei werden im Zauberkönig traditionell niemals verraten. Spätestens aber wenn der nächste Kindergeburtstag ansteht und lustige Kleinigkeiten für Schnuckeltüten auf der Einkaufsliste stehen, bin ich wieder Gast im Zauberkönig bei Karen und Kersi und vielleicht buche ich bei der Gelegenheit gleich noch einen großen Magier für die Party – es gibt noch immer viele in Berlin und die beiden kennen sie alle!

Fotos Daniel Flaschar

Ein Gedanke zu „Zauberkönig“

  1. OMg ist das cool!
    Ich muss mir die Adresse unbedingt aufschreiben und mal sehen ob ichs schaffe dort vorbeizuhuschen..
    Gott..
    So einen Flaschenteufel will ich haben.. den hatte ich als ich klein war und war glückseelig damit *seufz*

    Danke für diesen umwerfenden Tipp!

    Viele liebe Grüße

    Franzy

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