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Ein Tag mit der Puppenmacherin Julia Kowalke

Auf der Suche nach einem speziellen Baumwolljersey für Babyleggings verschlug es mich im letzten Herbst in einen großen Stoffhandel nach Charlottenburg. Fündig geworden, traf mein Blick beim Gehen links am schwarzen Brett einen Aushang mit der Überschrift „Weihnachts-Puppen-Nähen.“ Sicher war es auch das entzückende Bild der Stoffpuppe, das mich sofort begeisterte. Das wäre ein wunderschönes Geschenk an meine kleine Tochter Milla, dachte ich.

„Nichts geht über von Mutterhand genähte Puppen. Keine enthalten so viel Liebe, Herzblut, Wärme und gute Träume. Das Gefühl mit seinen Händen etwas zu erschaffen, der Moment, in dem die Puppe einen anzwinkert und zum Leben erwacht. Dieses Glück möchte ich weitergeben“ schreibt Julia in ihrem Aushang. Noch auf dem Weg zur U-Bahn tippe ich eine kurze Mail mit der Anfrage nach einem Platz in dem Kurs.

Der Puppenkurs war wundervoll! Das wusste ich schon, als ich die Tür zum Waldorfkindergarten Karlshorst öffnete, und mit meinem Birnenkuchen für die Teepause in den Händen die knarrenden Holzstufen in die erste Etage nahm. Was für ein Ort mit Seele und was für eine tolle Frau. Zwei ganze Tage verbrachte Julia mit uns acht Puppenmacherlehrlingen und lehrte Zauberknoten, Matratzenstich, Perücke häkeln und noch so vieles mehr. Wir alle hielten am Abend des zweiten Tages ein fest mit Schafwolle gestopftes Puppenkind in unseren Händen. Selber zum Leben erweckt. Mit Augen, Mund und roten Wangen. Es ist viel Arbeit und erfordert mehr Durchhaltevermögen und Kraft in den Händen als man glauben mag und es macht ein bisschen süchtig. Seid gewarnt! Aber so ist es bei mir mit den meisten Handarbeiten. Bei euch auch?

Immer wieder treffe ich bei Kursen und in Ateliers auf tolle Persönlichkeiten und gleichzeitig Experten, die ihre Handarbeit lieben und leben und ihre Fähigkeit voller Freude weitergeben. Von Hand zu Hand.  So entstand meine Idee zu dieser Handarbeiter Serie, die ich heute mit der Puppenmacherin Julia Kowalke beginnen möchte.

Wir trafen uns am ersten wahren, warmen Frühlingstag des Jahres, dieses Mal in ihrem schönen Zuhause im Prinzenviertel, am Arbeitstisch zum Puppenmachen.

Julia ist, genau wie ich, noch gerade so ein 70er Jahre Kind und Mama von drei Kindern. Zwei Jungs und ein kleines Mädchen.
Die Sonne scheint auf unseren Arbeitsplatz und draußen hängen die Kleider ihrer Kinder auf einer langen Wäscheleine quer durch den Garten. Ein Tag wie im Bilderbuch.

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Liebe Julia, erzähle mir ein wenig über deinen Lebensweg.
Wie bist du Puppenmacherin geworden?

Eigentlich bin ich Einrichterin. Sehr gerne sogar. Als mein erster Sohn geboren wurde, wollte ich ihm eine Puppe schenken. Aber keine aus Plastik, sondern eine aus Stoff. Ein Freund zum Liebhaben,  durch die wunderbaren Kinderjahre. Als ich nicht fündig wurde, begann ich ihm eine zu nähen. Über das Ergebnis war ich mehr als überrascht. Eine richtige Puppe. Und sie wurde geliebt. Mein 2. Sohn wollte auch bald so eine große Schlenkerpuppe.  Als ich diese Puppe nähte, träumte ich beim Nähen oft davon Puppenmacherin zu werden. Ich wollte die Puppen mit Liebe und guten Wünschen füllen, sie dann in Seidenpapier hüllen und in die weite Welt schicken – um Kinder glücklich zu machen. Nur sie besitzen die einmalige Fähigkeit ihre Spielgefährten lebendig werden zu lassen. Das fasziniert mich jedes Mal aufs Neue. Ich habe dann noch ein paar Jahre als Einrichterin gearbeitet. Während ich Räume plante, Möbel rückte und Teppiche ausrollte, träumte ich von den Puppen. Irgendwann habe ich dann im Urlaub beschlossen es einfach auszuprobieren. Nun nähe ich seit 2 Jahren Puppen und gebe Puppenkurse. Manchmal träume ich von Räumen, schönen Wandfarben und handgemachten Teppichen – aber die Leidenschaft Puppe bleibt.

Kommst du aus einem kreativen Elternhaus?

Nein, eigentlich nicht. Aber ich bin in der DDR groß geworden. Da machte die Not erfinderisch. Meine Mutter nähte uns die Kleider selber und entwarf mit meinem Papa Kinderrucksäcke. Sehr früh habe ich das Nähen an der Nähmaschine ausprobiert und schnell gelernt aus weniger mehr zu machen. Damals entstand meine Liebe zu einfachen, guten und handgemachten Dingen.

Ich habe eine Affinität zu natürlichen und qualitativ hochwertigen Materialien. Deren Haptik macht mich einfach glücklich. Du hattest mich sofort gefangen mit den Zutaten deiner Puppen. Welche Materialien stecken in einem Puppenkind?

Ohhh, ich auch. Deshalb stecke ich in die Puppen nur Gutes: Schafwolle, Schweizer Trikot, Mohair und viel Zeit. Es ist wichtig, dass die Puppe formstabil ist und man mit ihr mindestens eine ganze Kindheit spielen kann. Stoffpuppen können endlos geflickt werden. Das gefällt mir. Sie werden erst durch das viele Spielen lebendig.

Wie kann ich eine Puppe von dir kaufen?

Du kannst mir gerne eine eMail schicken und ich nähe für dich deine eigene Wunschpuppe. Allerdings musst du mit einigen Monaten Wartezeit rechnen. In meinen OnlineShops bei Dawanda und Etsy biete ich zudem regelmäßig neue Puppen an.

Wie sieht ein alltäglicher Montag in deiner Familie aus?

Damit Montag früh alles reibungslos verläuft, fangen wir mit den Vorbereitungen eigentlich schon am Sonntagabend an. 6.15 Uhr klingelt der Wecker. Mein Mann steht zuerst auf und kocht für uns alle Haferflockenbrei mit Apfelmus. Die Jungs und mein Mann müssen kurz nach 7.00 aus dem Haus. Organisation und gute Nerven sind da gefragt. Besonders wenn um 7.05 Uhr meinem Großen einfällt, dass er heute sein Schwimmzeug braucht. Dann frühstücke ich mit meiner Tochter und bringe sie in den Kindergarten. Zwischen 8.00 Uhr und 8.30 Uhr fängt mein Arbeitstag an. Dann nähe ich bis mittags bestellte Puppen, Puppenkleider oder Mützen. Nach dem Mittagessen geht es bis 14.00 weiter. Meist packe ich dann Puppenpakete, schreibe Rechnungen, hänge Wäsche und radle zur Post. Gegen 15.00 Uhr treffen meine Jungs von der Schule ein. Ich lausche dann den Geschichten vom Tag und helfe bei den Hausaufgaben. Danach hole ich meine Tochter ab und wir treffen uns alle im Park oder am Spielplatz. Je nach Wetter sind wir meist ab 17.30 Uhr wieder zu Hause. Um 17.55 Uhr rufe ich aus der Not heraus meinen Mann an. Dann brennt meist die Luft. Die Kinder haben Hunger. Sofort! Das Bad wird beim Waschen geflutet, die Kinder spielen endlos Tischtennis in der Küche (ist eigentlich strengstens verboten!), ich versuche den beiden Großen parallel Klavier- und Gitarre zu unterrichten, zankende Kinder zu befreien und nebenbei zu kochen. Wenn mein Mann dann um 18.30 Uhr die Wohnung erreicht, steht das Essen auf dem Tisch, die Kinder sitzen im Schlafanzug, einer liest, der andere hilft und man könnte meinen es gab nie einen Grund zur Aufregung. Endlich sitzen alle gemeinsam am Tisch. Der langersehnte Feierabend beginnt um 20.00 Uhr. Meist beantworte ich dann noch Kundenanfragen. Aber dann ist wirklich „Schicht im Schacht“ – auch für unsere Kinder, denen gerne noch ein Küsschen fehlt oder… .

Es gibt weltweit sehr viele Puppensammler. Ich selber liebe es über Flohmärkte zu schlendern und nach alten Kinderbüchern zu suchen. Mich begeistert das Zusammenspiel aus altem Bilderdruck, Farbe und Papier. Der Gedanke, dass das Buch schon in vielen anderen Händen mit ihren eigenen Geschichten lag, ist toll. Was denkst du fasziniert am Puppen sammeln und hast du selber eine Sammelleidenschaft für etwas?

Ich denke die Erinnerung an eigene unbeschwerte Kindertage fasziniert viele. Wenn ich den Kindern schönes Spielzeug oder Bücher kaufe, dann immer auch ein klein wenig für mich. Ich selbst sammle keine Puppen und auch meine Tochter hat nur eine Hand voll. Aber von schönen Ohrringen kann ich nicht genug bekommen. Ich suche und finde sie überall und gehe eigentlich nie ohne aus dem Haus. Manchmal kann es aber auch ein schöner Ring sein.

Gibt es ein Handwerk, das du gerne lernen möchtest?

Wäre ich nicht Einrichterin geworden, hätte ich gerne Schmuckdesign studiert. Im Moment möchte ich gerne Teppiche entwerfen. Die Gabe mit seinen Händen etwas zu erschaffen – der Mix aus Materialien der Natur, Farben, Formen und Schönem – all das ist mir ein Bedürfnis und lässt mein Herz höher hüpfen.

Danke für die schönen Stunden mit dir an deinem Arbeitstisch liebe Julia!

 

Die Termine für Puppenkurse gibt Julia auf ihrem Blog bekannt.

Fotos: Anne Deppe

2 Gedanken zu „Ein Tag mit der Puppenmacherin Julia Kowalke“

  1. Hallo,

    auf der Dawanda-Seite erfuhr ich, dass Sie auch „erste Puppen“ anbieten.Wie sehen solche Puppen denn aus?????
    Ich freue mich auf Ihre Antwort.
    Beste grüße aus Kleinenbroich
    Ulrike

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